28. Oktober 2026
3 Min.

Transitionspläne – Warum der Weg zur 1,5°C-Kompatibilität für Banken besonders herausfordernd ist

Viele Kreditinstitute haben sich Klimaziele gesetzt, der konkrete Weg zur Erreichung dieser Ziele ist jedoch häufig noch nicht definiert. Erfahren Sie, welche regulatorischen Anforderungen an Transitionspläne gestellt werden und welche Herausforderungen Banken bei der praktischen Umsetzung bewältigen müssen.

Auf einen Blick

  • Transitionspläne gewinnen an Bedeutung: Banken müssen ihre Klimastrategie zunehmend konkret und nachvollziehbar dokumentieren.
  • CSRD und EBA-Guidelines setzen den Rahmen: Beide Regelwerke enthalten Anforderungen an Transitionspläne, verfolgen jedoch unterschiedliche Zielsetzungen.
  • Finanzierte Emissionen stehen im Fokus: Ein Großteil der Emissionen entsteht im Kredit- und Wertpapierportfolio.
  • Datenqualität und Umsetzbarkeit bleiben zentrale Herausforderungen: Institute müssen ambitionierte und zugleich realistische Transformationspfade entwickeln.

Warum Transitionspläne für Banken an Bedeutung gewinnen

Viele Kreditinstitute haben sich dazu committed, das 1,5°C-Ziel zu unterstützen und klimaneutral zu werden – wie der konkrete Weg dahin aussieht steht aber oftmals noch nicht fest. Die Herausforderung besteht nun also darin, einen passgenauen Übergangs- oder auch Transitionsplan zu entwickeln, der den regulatorischen Anforderungen entspricht, in der Praxis auch im Kontext der derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit umsetzbar ist und die individuellen Gegebenheiten der jeweiligen Bank würdigt. 

Welche regulatorischen Anforderungen bestehen?

Verschiedene regulatorische Rahmenwerke verlangen die Erstellung von Transitionsplänen. Die beiden wichtigsten sind derzeit die CSRD sowie die EBA-Guidelines vom Januar 2025:

CSRD

Im Rahmen der CSRD-Berichterstattung müssen Transitionspläne – sofern vorhanden –offengelegt werden. Existiert noch keiner, muss dies transparent gemacht werden. Dadurch soll die strategische Ausrichtung des Unternehmens im Hinblick auf Klimaziele nachvollziehbar und transparent gemacht werden. Dabei geht es nicht nur um Emissionen aus dem eigenen Geschäftsbetrieb, sondern auch um signifikante Scope-3-Emissionen.

EBA-Guidelines

Auch die EBA/GL/2025/01 fordern die Erstellung von Transitionsplänen – allerdings aus der Perspektive des Managements transitorischer Risiken. Dementsprechend adressieren sie vor allem die finanzierten Emissionen aus dem Kreditportfolio – also jene Emissionen, die durch die Aktivitäten der Kreditnehmer bzw. finanzierten Assets verursacht werden.

Auch wenn die EBA-Guidelines aktuell nur für bedeutende Institute Anwendung finden, prägen sie dennoch den europäischen Aufsichtsrahmen. Darüber hinaus betont die BaFin, sie habe die Anforderungen mit ihren MaRisk bereits prinzipienbasiert umgesetzt. Somit dürften die EBA-Guidelines künftig mindestens als Umsetzungshilfe zur Umsetzung der MaRisk dienen. Eine mittel- bis langfristige Annäherung von deutscher und europäischer Aufsichtspraxis ist zu erwarten.

Welche Herausforderungen ergeben sich in der Praxis?

Die Entwicklung belastbarer Transitionspläne erfordert sowohl verlässliche Daten als auch einen realistischen Dekarbonisierungspfad.

Datenqualität als Grundlage

Eine große Herausforderung besteht darin, die notwendigen Daten in guter Qualität für die Erstellung eines belastbaren Transitionsplans zu beschaffen. Denn der Großteil der Emissionen entsteht nicht im eigenen Betrieb, sondern im Kredit- und Wertpapierportfolio. Die Berechnung der sogenannten finanzierten Emissionen ist komplex und erfordert daher eine Vielzahl an Daten, die bisher nicht immer und vor allem nicht immer in guter Qualität vorliegen.

Realistische Dekarbonisierungspfade entwickeln

Ein weiterer Aspekt ist die Definition eines spezifischen Dekarbonisierungspfads mit 1,5°C-kompatibler Zielen. Welche Reduktionen müssen bis wann erzielt worden sein? Was passiert, wenn das Geschäft wächst? Welche Maßnahmen können umgesetzt und welche Einsparungen können jeweils realisiert werden?

Insbesondere die Entwicklung konkreter Maßnahmenpläne, die zum einen ambitioniert genug sind, um den Anforderungen gerecht zu werden, und zum anderen auch in einem realistischen Zeithorizonten umgesetzt werden können, stellt Institute vor eine anspruchsvolle Aufgabe. Zum Beispiel können Banken das Verhalten von Kreditnehmern nur sehr begrenzt steuern. Dies erschwert die Einhaltung von gesteckten Zielen. Zudem sind die Geschäftsmodelle von Kreditinstituten durch lange Planungshorizonte und Laufzeiten relativ träge und können nicht von heute auf morgen komplett umgekrempelt werden. 

Zentrale Fragen für Institute

Haben Sie diese Fragen bereits beantwortet?

  • Welche Daten stehen für die Berechnung finanzierter Emissionen zur Verfügung?
  • Welche Dekarbonisierungsziele sind realistisch und gleichzeitig regulatorisch belastbar?
  • Welche Maßnahmen können tatsächlich umgesetzt werden?
  • Welche Auswirkungen hat zukünftiges Geschäftswachstum auf die Zielerreichung?

Fazit

Transitionspläne sind mehr als ein Reporting-Instrument – sie sind strategisches Steuerungselement und Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit von Kreditinstituten. Wer frühzeitig beginnt, profitiert nicht nur von regulatorischer Sicherheit, sondern kann auch gezielt Chancen in der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft nutzen. Die Herausforderungen sind groß, aber mit einem strukturierten Vorgehen und der richtigen Unterstützung lassen sie sich meistern. Sprechen Sie uns an – wir helfen gern! 

Fragen zu Transitionsplänen?

Sie möchten einen Transitionsplan entwickeln oder bestehende ESG-Strategien weiterentwickeln? Gerne unterstützen wir Sie bei der Analyse von Daten, der Entwicklung geeigneter Dekarbonisierungspfade und der Umsetzung regulatorischer Anforderungen.

Juliane Franze
AWADO WPG
Juliane Franze

Senior Consultant

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