ESG-Risikoinventur auf dem Prüfstand
Viele Institute haben ESG-Themen bereits umfassend in Strategie und Organisation verankert. Unsere Projekterfahrung zeigt jedoch, dass bei der ESG-Risikoinventur häufig noch methodische Schwächen bestehen, die die Belastbarkeit des gesamten ESG-Risikomanagements beeinträchtigen können.

Wie solide ist Ihre ESG-Risikoinventur in Anbetracht von BRUBEG?
Viele Genossenschaftsbanken haben in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte bei der Integration von ESG-Themen erzielt. ESG-Strategien wurden verabschiedet, Nachhaltigkeitsbeauftragte benannt und regulatorische Anforderungen sukzessive umgesetzt.
Dennoch zeigt unsere Projekterfahrung, dass zwischen den vorhandenen Konzepten und einem tatsächlich belastbaren ESG-Risikomanagement häufig noch eine Lücke besteht.
Gerade vor dem Hintergrund der gestiegenen Anforderungen aus BRUBEG und der zunehmenden Bedeutung von ESG-Risiken im Risikomanagement stellt sich daher eine zentrale Frage:
Wie belastbar ist die ESG-Risikoinventur Ihrer Bank tatsächlich?
Die ESG-Risikoinventur bildet die Grundlage für nahezu alle weiteren Schritte des ESG-Risikomanagements. Hier wird entschieden, welche ESG-Risikotreiber für das Institut relevant bzw. materiell sind und wie diese auf die klassischen Risikoarten wirken.
Fehler oder methodische Schwächen in diesem Schritt wirken sich unmittelbar auf die nachgelagerten Prozesse aus – angefangen bei der Risikobewertung über die Risikostrategie bis hin zu Steuerungsmaßnahmen und Reporting.
Umso erstaunlicher ist, dass wir in der Praxis immer wieder ähnliche Herausforderungen beobachten.
Wo viele Institute aktuell noch Schwächen aufweisen
Ein Benchmarking über mehrere von uns begleitete Projekte zeigt ein klares Bild:
Nahezu alle betrachteten Genossenschaftsbanken haben sich bereits intensiv mit ESG-Risiken beschäftigt. Gleichzeitig besteht jedoch häufig noch erheblicher Weiterentwicklungsbedarf bei der methodischen Ausgestaltung der ESG-Risikoinventur.
Zu den häufigsten Beobachtungen gehören:
- fehlende oder nicht ausreichend differenzierte Materialitätsbewertungen,
- eine unzureichende Betrachtung von kurz-, mittel- und langfristigen Zeithorizonten,
- eine begrenzte Nutzung wissenschaftlich fundierter Klimaszenarien,
- fehlende oder nur teilweise durchgeführte Quantifizierungsansätze,
- die unvollständige Berücksichtigung wesentlicher ESG-Risikotreiber,
- eine fehlende Abgrenzung zwischen einer reinen Relevanzanalyse und einer tatsächlichen Materialitätsanalyse.
Insbesondere zwei Themen werden nach unserer Beobachtung noch häufig unterschätzt:
1. Biodiversität
Während Klimarisiken mittlerweile in vielen Instituten betrachtet werden, wird Biodiversität oftmals noch nicht oder nur oberflächlich analysiert. Dabei können Veränderungen von Ökosystemen zahlreiche Branchen und damit auch Kreditportfolios erheblich beeinflussen.
2. Finanzierte Emissionen
Auch finanzierte Emissionen werden häufig noch nicht systematisch in die ESG-Risikoinventur einbezogen. Dabei stellen sie einen wesentlichen transitorischen Risikotreiber dar und liefern wichtige Informationen für die Bewertung von Transformationsrisiken im Kreditportfolio.
Die Konsequenz
Wenn wesentliche ESG-Risikotreiber nicht angemessen identifiziert oder bewertet werden, leidet die Belastbarkeit der gesamten ESG-Risikosteuerung. In der Folge entstehen häufig Brüche zwischen ESG-Risikoinventur, Risikostrategie, Risikomessung und Berichterstattung. Das Institut verfügt zwar über einzelne ESG-Bausteine, jedoch nicht über ein vollständig konsistentes ESG-Risikomanagementsystem. Gerade im Kontext der steigenden regulatorischen Erwartungen wird dies zunehmend kritisch.


Unser Selbstcheck für Ihre ESG-Risikoinventur
Nutzen Sie die folgenden Fragen, um die Qualität Ihrer ESG-Risikoinventur kritisch zu hinterfragen:
✓ Haben Sie ESG-Risikotreiber querschnittlich in Bezug auf alle Risikoarten analysiert?
✓ Haben Sie wissenschaftlich fundierte Szenarien berücksichtigt und erste Quantifizierungsansätze genutzt?
✓ Haben Sie die Materialität der ESG-Risikotreiber sowohl hinsichtlich Ausmaß als auch Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet?
✓ Berücksichtigen Sie kurz-, mittel- und langfristige Zeithorizonte?
✓ Haben Sie Biodiversität als physischen und transitorischen ESG-Risikotreiber analysiert?
✓ Haben Sie finanzierte Emissionen in Ihre Betrachtung einbezogen?
✓ Verfügen Sie über eine nachvollziehbare Liste materieller ESG-Risikotreiber und nicht nur eine Liste relevanter ESG-Risikotreiber?
Je häufiger Sie diese Fragen mit „Ja“ beantworten können, desto belastbarer ist die Grundlage Ihres ESG-Risikomanagements.
Unser Fazit
Viele Institute haben beim Thema ESG bereits wichtige Fortschritte erzielt. Der entscheidende Hebel für ein belastbares ESG-Risikomanagement liegt jedoch häufig in der Weiterentwicklung der ESG-Risikoinventur.
Wer ESG-Risiken wirksam steuern möchte, benötigt eine methodisch saubere Materialitätsanalyse, eine fundierte Betrachtung relevanter Risikotreiber und eine klare Herleitung der tatsächlichen Risikowirkungen.
Die ESG-Risikoinventur ist damit weit mehr als eine regulatorische Pflichtübung – sie ist das Fundament eines zukunftsfähigen Risikomanagements.
Sie möchten die Qualität Ihrer ESG-Risikoinventur überprüfen oder weiterentwickeln?
Unser Spezialistenteam Nachhaltigkeit unterstützt Sie gerne:


