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Kapitalabzugsrisiken – ein blinder Fleck auf der Risikolandkarte?

Über die Kündbarkeit und damit verbundene Risiken von Geschäftsguthaben bei Genossenschaftsbanken im Rahmen der Risikosteuerungs- und -controllingprozesse

Nur wenige Rechtsformen unterliegen – ähnlich wie die Genossenschaftsbanken – der Gefahr, dass das Eigenkapital in Form des gezeichneten Kapitals kurzfristig abgezogen werden kann. So wird durch das Genossenschaftsgesetz bzw. die Satzung den Mitgliedern ein Kündigungsrecht zugesprochen, welches mit einer Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten zum Ende des Geschäftsjahres – teils jedoch länger – den Kapitalabzug ermöglicht. Insbesondere in Zeiten von Kapitalknappheit in der normativen Perspektive – bedingt durch starkes Wachstum der Institute bei gleichzeitiger Erhöhung aufsichtsrechtlicher Eigenmittelanforderungen – erscheint die vermehrte Akquisition von Mitgliedern bzw. Geschäftsguthaben und damit hartem Kernkapital für viele Genossenschaftsbanken eine valide, strategische Handlungsoption.

Dabei erwächst aus der vergleichsweise schnellen Kündbarkeit von Geschäftsanteilen und damit dem Verlust von benötigtem harten Kernkapital ein zusätzliches Risiko. Nach Art. 28 Abs. 1 e) CRR liegt das Geschäftsguthaben im Falle der Kündigung nicht mehr zeitlich unbegrenzt vor und ist demzufolge nicht mehr als Kernkapital im Sinne des Eigenmittelregimes anrechenbar. Entsprechend den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) erscheint es insofern notwendig, Kapitalabzugsrisiken aus Geschäftsanteilen in der Risikoinventur und im Falle der Wesentlichkeit in die Risikotragfähigkeit und Risikosteuerungs- und -controllingprozesse einzubeziehen. Dies leitet sich aus AT 2.2 Tz. 2 MaRisk ab, wonach Risiken, die sich auch auf die Vermögenslage (einschließlich Kapitalausstattung) abstrakt auswirken können, in der Risikoinventur einbeziehungspflichtig sind.

 

 

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Publikation
BankPraktiker 04/2021


Autoren
Dr. Michael Wellmann, Noel Opala


Themen
#Banksteuerung   #Bankaufsichtsrecht  


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